Der zeitgenössische Ansatz von Matasci Vini
Zu den zeitgenössischen Interpretationen dieses Ansatzes gehört auch der Keramis Sauvignon Blanc Ticino DOC, ein Weisswein, der in Keramikamphoren ausgebaut wird und önologische Präzision mit modernem Feingefühl verbindet.
Der Name Keramis erinnert an den altgriechischen Begriff kéramos, von dem auch das Wort «Keramik» stammt – ein direkter Hinweis auf das Material, das die Entwicklung des Weins während des Ausbaus langsam begleitet.
Für den Önologen Giovanni Alberio gehört Keramik heute zu den interessantesten Werkzeugen, um den sortentypischen Charakter eines Weins ohne aromatische Überlagerungen hervorzuheben und seine Reifung behutsam zu begleiten.
Der Keramis Sauvignon Blanc stammt aus Hanglagen im Mendrisiotto, die auf kalk- und tonhaltigen Böden liegen. Die Trauben werden in den kühleren Morgenstunden von Hand gelesen. Anschliessend werden die ganzen Trauben besonders schonend gepresst, um Finesse und aromatische Präzision zu bewahren.
Nach einer sanften Kaltpressung ruht der Most bei niedrigen Temperaturen, bevor die Gärung im Edelstahltank erfolgt, wodurch Balance und aromatische Klarheit gefördert werden. Danach wird der Wein in 900-Liter-Keramikamphoren umgefüllt, wo er mindestens fünfzehn Monate auf der Feinhefe reift. In den ersten Monaten werden regelmässig Bâtonnage-Arbeiten durchgeführt, gefolgt von einer langen Ruhephase, die den Ausbau des Weins langsam begleitet.
Der Keramis Sauvignon Blanc wird erstmals an den Cantine Aperte 2026 präsentiert und bietet dem Publikum die Möglichkeit, diese neue Interpretation des Ausbaus in Keramik aus nächster Nähe kennenzulernen.
Neben dem Weisswein arbeitet Matasci auch an einem roten Keramis aus Petit Verdot, der ebenfalls in Keramikamphoren ausgebaut wird und im Herbst 2026 bereit sein soll.
Wenn Keramik den Wein begleitet
Beim Sauvignon Blanc ermöglicht die Wahl der Keramik, Frische, Spannung und aromatische Präzision zu bewahren, ohne dass das Gefäss den Charakter der Rebsorte überlagert.
Im Glas zeigt sich der Keramis Bianco in einem mittelintensiven Strohgelb. In der Nase entfalten sich Noten von exotischen gelben Früchten, mineralische Nuancen und mediterrane Kräuter. Am Gaumen überzeugen Frische, Energie und Dynamik, getragen von einer ausgeprägten Mineralität und einem langen, anhaltenden Finale. Genau dieses Gefühl von Spannung und Frische wird in der Weinsprache oft als «Vertikalität» bezeichnet – im Gegensatz zu weicheren und volleren Weinen.
Gerade hier zeigt die Keramik ihr Potenzial: den Wein nicht zu verändern, sondern ihn diskret zu begleiten und dabei Substanz, Tiefe und Balance zur Geltung zu bringen.
Vielleicht liegt genau darin heute der Reiz der Amphore: weniger hinzuzufügen, statt mehr. Dem Wein Zeit zu lassen, zu atmen, zu reifen und sich mit weniger Filtern selbst zu erzählen.